Montag, 24. Oktober 2011

Logbuch, letzter Teil 16.10.-22.10.2011

Sonntag, 16.10.2011
Geschrieben am 23.10.2011 in St. Columb

Ich habe mich am Vortag beim Hafenmeister informiert, wann die beste Zeit ist, um auszulaufen, um nach Süden zu kommen. Irgendwo südlich von Dover dreht die Tide, so dass ablaufendes Wasser nicht mehr gegenan, sondern mit dem Strom bedeutet. Ergebnis, war, dass wir um 6:00 Uhr morgens aufgestanden sind, um gegen 6:30 Uhr auszulaufen. Mit 20 Minuten Verspätung sind wir dann um 6:50 Uhr ankerauf.

Segel: Groß im 1. Reff, Fock
Wetter: anfangs schwach aus SE, ab ca. 15:00 Uhr aus SW mit 3-4 Bft., sonnig, klare Sicht

Ich habe es mir auf dem Vorschiff gemütlich gemacht und Musik gehört. Nach ca. 1,5 Std. fährt ein Behördenfahrzeug auf uns zu und informiert uns darüber, dass wir zu nahe an der Küste bei Folkstone sind, da es sich um ein Schießgebiet handelt. Tatsächlich sind wir deutlich von der geplanten Route abgewichen, so dass wir jetzt erstmal über eine Seemeile nach draußen fahren müssen.
Um 11:25 Uhr umrunden wir Dungeness.
Beachy Head voraus um 23:35 Uhr. GPS-Stand bei 643 sm.

Montag, 17.10.2011

Geschrieben, 17.10.2011 in St. Columb

Um 0:15 Uhr setzt ablaufendes Wasser ein. Wir sind trotz Windes fast 2 Std. nicht vom Fleck gekommen, in keine Richtung und auch unter Motor nicht. Ich bin der Meinung, dass wir vielleicht an einem Netz hängen, zu sehen ist aber nichts.

Um 2:20 Uhr geht langsam Richtung Süden wieder voran. Wir sind immer noch auf Höhe Beachy Head. Das Cap hat es wirklich in sich.

Morgens entschliessen wir uns, in die Marina von Brigthon einzulaufen. Der Skipper ist erledigt, da er die ganze Nacht wach geblieben war. Wir holen die Segel ein und fahren unter Maschine auf die Hafeneinfahrt zu. Leider sind wir noch über 2,5 sm entfernt und Thomas fährt mit nur knapp über 1 kn unter Motor. So dauert das Einlaufen fast 3 Std.. In der Zwischenzeit ist ein auslaufender Segler schon beinahe am Horizont verschwunden.

Die Hafeneinfahrt besteht aus zwei Molenköpfen. Direkt dazwischen liegen grüne Tonnen, die das Fahrwasser markieren. Erwartungsgemäß fragt mich der Skipper, auf welcher Seite ich die grünen Tonnen lassen würde.

Fest am Steg: 11:45 Uhr
GPS-Stand: 674 sm
Zeit in Fahrt: ca. 29 Std.

Dienstag, 18.10.2011 – Hafentag in Brighton

Geschrieben am 23.10.11 in St. Columb

Während Thomas und Achim mal wieder an der Elektrik und den Batterien rumfummeln, mache ich es mir erst in einem Cafe mit Hotspot gemütlich und erforsche anschließend die Stadt. Hier war ich vor ca. 30 Jahren schon einmal, damals um Englisch zu lernen. Der Wiedererkennungswert ist gleich null.

Die Marina von Brigthon und das Drumherum ist sehr neu und sehr schön.

Mittwoch, 19.10.2011, Donnerstag, 20.10.2011, Freitag, 21.10.2011

Geschrieben am 23.10.11 in St. Columb

Start: 9:40 Uhr
Segel: Groß im 1. Reff, Fock
Wetter: 2-3 Bft. Aus NW, wolkenlos, sonnig, klar

Anfangs Kurs 245 Grad mit 5 kn Fahrt, zwischenzeitlich sogar 6 kn. Outer Owers Untiefentonne querab um 15:05 Uhr bei GPS-Stand 698 sm. Gegen 17:30 Uhr hat der Wind auf ca. 6 Bft. zugenommen. Wir nehmen das Groß weg, setzen es aber um 18:00 Uhr wieder, jetzt im 3. Reff. Gegen 23:40 Uhr stehen wir südöstlich der Isle of Wight. GPS-Stand 741 sm. Wie immer segelt Thomas die Nacht alleine durch, ich löse ihn erst morgens um 5:00 Uhr ab.

Um 7:20 bei GPS-Stand 769sm haben wir The Shambles querab. Der Donnerstag verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wir bleiben auf See und Thomas segelt wieder die Nacht über bis Freitag morgen um 5:00 Uhr. Dann übernehme ich. Zu dieser Zeit umrunden wir Cap Prawk Point, südöstlich von Plymouth. In der Bucht von Plymouth ist zu dieser frühen Stunde schon eine Menge los, überwiegend Schleppnetzfischer. Gegen 7:20 Uhr bei GPS-Stand 857sm haben wir Plymouth querab. Um 8:55 Uhr wenden wir vor der Küste von Cornwall und kreuzen dann in kurzen Schlägen nach Falmouth auf. Einige Seemeilen vor Falmouth sind 2 weitere Segelyachten bei uns. Mit der einen kommt es fast noch zur Kollision, weil Thomas vom Kurs abweicht, obwohl er Kurshalter ist. Im gleichen Augenblick leitet auch die andere Yacht das Ausweichmanöver ein. Wegerechtsregeln und auch das korrekte Einleiten eines Manövers des letzten Augenblicks gehören nicht zum Repertoire unseres Skippers.

Etwa 3 sm vor der Marina ordnet Thomas an, dass Groß einzuholen, obwohl man wunderbar bis in den Hafen hineinsegeln hätte können. Stattdessen wird mal wieder der Außenborder zu Hilfe genommen. Nur das Vorsegel bleibt noch stehen. Dies lässt den Skipper annehmen, dass er als Segelfahrzeug Wegerecht hat vor einer anderen Yacht, die motort. Musste den Skipper darauf hinweisen, dass die andere Yacht Wegerecht hat, weil diese dem Fahrwasser folgt, während wir es queren und wir wegen des laufenden Außenborders auch ein motorbetriebenes Fahrzeug sind und kein Segler.

Fest am Steg in Marina Pendennis: 17:15 Uhr
GPS-Stand: 905 sm

Samstag, 22.10.2011 – Falmouth

Vormittags kaufe ich noch einen Koffer, um alle meine Sachen von Bord zu bekommen. Anschließend besichte ich die Stadt und packe meine Klamotten. Gegen 16:30 Uhr werde ich von Sabine abgeholt und verlasse die SY Knulp endgültig.

Bevor ich von Bord gegangen bin, habe ich den Skipper noch mal eindringlich darauf hingewiesen, dass er nicht nur für sich, sondern auch für die Crew verantwortlich ist und zumindest das Beilegen und Mann über Bord Manöver üben soll.

Statt einem guten Jahr sind es nur knapp 2 Wochen geworden, statt veranschlagter 16.000 sm gerade mal 500 sm.

Weiterer Logbucheintrag

Donnerstag, 13.10.2011
Geschrieben um 23:00 Uhr

Hafentag

Heute morgen habe ich beim Frühstück die Dinge angesprochen, die mir nicht passen und Thomas auch gesagt, dass ich in seine seemännischen und nautischen Kenntnisse kein Vertrauen habe. Außerdem das Thema Logbuch, Routenplanung und –besprechung auf den Tisch gebracht und die Bootsmängel aufgezählt, die meiner Meinung dazu führen, dass die SY Knulp nicht seetüchtig sei und ich unter diesen Bedingungen die Reise vorzeitig abbrechen werde. Achim hat bei dem Gespräch vermittelt. Vieles war dem Skipper zwar bekannt, will oder kann es aber nicht ändern, weil die finanziellen Mittel fehlen.

Dann haben Achim und Thomas die elektrische Anlage geprüft, während ich mir zum Thema Reffen meine Gedanken gemacht habe.

Es sind dann 2 neue Batterien a 100 Amperestunden an Bord gekommen.

Abends sind wir gemeinsam in Vlissingen in eine Pizzeria gegangen.

Freitag, 14.10.2011

Geschrieben am 15.10.2011 in Dover

Morgens war ich mit Thomas beim Bootsshop, Teile kaufen. Belegklemmen sind ihm zu teuer, es wird nur ein wenig Tauwerk gekauft und ein Batterieumschalter getauscht. Das Boot bleibt meiner Meinung nach seeuntüchtig.

Um 15:00 Uhr bei Hochwasser ablegen in Vlissingen. Ich habe vorher Bescheid gesagt, dass dann die Brücke offen sein soll, um auszufahren. Leider öffnet sich die Brücke nicht, ein Missverständnis. So driften wir vor der Brücke mal gegen das eine, mal gegen das andere Boot. Mit nur einem 15 PS-Außenborder ist die SY Knulp sehr schwer zu manövrieren. Gegen 15:30 Uhr sind wir dann endlich draußen, glücklicherweise ohne Beschädigungen am eigenen Boot oder an anderen.

Gleich danach erst die Fock und dann das Groß im 1. Reff gesetzt. Mit achterlichem Wind  und sonnigem, wolkenlosen Wetter geht es wieder auf Zeebrügge zu. Nach 16 sm um 18:40 Uhr haben wir die Hafeneinfahrt von Zeebrügge querab. Und weiter geht es mit dem südöstlichen Wind die Küste entlang, teilweise mit bis zu 11kn, natürlich mit dem Strom. So schafen wir 41 sm in 4,5 Std..Um 23:30 Uhr haben wir Dunkerque in Backbord. Gegen 2:45 Uhr kurz vor Calais kippt der Strom. Wir versuchen aus dem tiefen Wasser zu kommen, um nicht zurückgetrieben zu werden. Ich dachte Thomas will in Calais einlaufen. Aber als ich ihn Frage sagt er allen Ernstes, er will nach England, was nun definitiv bei diesem Strom nicht möglich ist. Er versucht es trotzdem, ich haue mich in die Koje. Der Skipper ist unfähig. Knapp 1,5 Stunden später geht er eine knappe sm entfernt vor Anker.

Thomas geht Ankerwache, wir können schlafen. Ankerwache geht bei Thomas so:

Nachdem der Anker geworfen wurde und man getestet hat, ob er greift, werden alle Instrumente – auch das GPS - abgeschaltet und er setzt sich ins Cockpit. Wir sind jedoch so weit vom Ufer oder einem festen Punkt entfernt, dass er sich gar nicht orientieren kann. Er hat sich die Position nicht notiert und kann sie so auch nicht am GPS orientieren. Der Skipper hat echt keine Ahnung.

So notiere ich die Position, schalte das GPS wieder ein und schalte zusätzlich mein Hand-GPS auf Ankerwache.

Übrigens ist uns unterwegs eine der neuen Batterien in die Knie gegangen, obwohl der Windgenerator die meiste Zeit lief.

Strecke: 72 sm

Zeit in Fahrt: 12:45 Std.

Samstag, 15.10.2011

Geschrieben am 15.10.2011 in Dover

Gegen 8:10 Uhr wieder Anker auf. Kurs 311 Grad, genau auf Dover zu und mit dem Kiel querab zum Verkehrstrennungsgebiet. Leider kommt der Wind genau achterlich, was für uns nicht ideal ist. Zum einen lässt sich das Groß wegen der weit nach hinten laufenden Wanten nicht besonders weit ausstellen. Es ist zwar ein Spi an Bord, aber weder Spi-Schoten, noch Spi-Winschen noch lässt sich der Spi-Baum anschlagen. Alles Murks. So mühen wir uns bei SE 2 Bft. Richtung Dover mit max. 3kn durchs Wasser. Besegelung wie am Tag zuvor. Nachdem wir gegen 12:30 Uhr endlich das Verkehrstrennungsgebiet gequert haben, setzt der Skipper Kurs 240 Grad. Darauf weise ich darauf hin, dass demnächst der Strom wieder kippt und wir besser an Land fahren, bevor wir wieder zurücktreiben. Der Skipper ist einverstanden und entscheidet, in Dover vor Anker zu gehen. Bis zur Hafeneinfahrt sind es vielleicht 4-5 sm. Wegen des einsetzenden Stromes halte ich den Kurs vor. Lt. Thomas halte ich genau falsch vor, er übernimmt das Ruder und steckt seinen Kurs ab. Eindringlich weise ich ihn darauf hin, dass wir so womöglich an der Hafeneinfahrt vorbei treiben. Sein Kommentar ist, dass wir das abwarten werden. Ich ziehe mich resigniert zurück. Es kommt, wie ich es vorausgesagt habe. Nur unter Vollgas und viel Glück schaffen wir es noch in den Hafen.

Ausweichregeln, Betonung, Gezeitennavigation, Kurshaltung, Routenplanung, Lichterkennung – diese Fähigkeiten fehlen dem Skipper.

In Falmouth werde ich spätestens von Bord gehen. Meine Lieblingsmitbewohnerin Bine aus alten Zeiten steht bereit, um mich abzuholen. Was für ein Glück ich habe, dass sie in Cornwall wohnt.

Fazit:
Das man den Begriff „Segeln“ und das Handeln danach so unterschiedlich auslegen kann, habe ich bei allen Vorbereitungen nicht berücksichtigt.

Eine genaue Routenplanung und das Besprechen, was wir machen wollen und wohin es gehen soll und das Vorhandensein von aktuellen Seekarten und Hafenbüchern / -beschreibungen gibt es nicht. Wir fahren keine Nationale und natürlich auch keine Gastlandflagge und ein Logbuch gibt es auch nicht. Der Skipper entscheidet spontan und willkürlich.

Vor Anker in Dover um 13:50 Uhr
Strecke: 27 sm
Zeit in Fahrt: 5:40 Stunden

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Auch das noch

Zu allem Überfluss stellt sich jetzt noch heraus, dass die seemännischen und navigatorischen Eigenschaften von Thomas alles andere als toll sind. Leider denkt er, er sei der Größte, was das Verbessern etwas schwierig macht. Solange wir nur in der südlichen Nordsee oder im Ärmelkanal rumgurken, ist es noch ganz lustig. Aber auf der Biskaya sieht die Sache schon anders aus.
Andererseits konnte ich mich letzte Nacht um 2:00 Uhr mit der Gewissheit in die Koje hauen, nichts zu verpassen. Und tatsächlich schipperte die Knulp 7 Stunden später nur wenige Seemeilen von dem Punkt entfernt, wo ich mich aufs Ohr gehauen habe. Mit jeder Wende hoch am Wind fährt der Kapitän fast den gleichen Weg zurück, den er gekommen ist. Und das unter Besegelung und stundenlangem Mitlaufen des Außenborders. Leider geht der Sprit durch 3, dennoch konnte ich mich schön amüsieren.
Bin gespannt, ob das noch besser wird.



Oben ein paar aktuelle Fotos vom Boot in Stellendam und Vlissingen (beides Holland).

Dienstag, 11. Oktober 2011

Logbuch 09.+10.10.2011

Sonntag, 09.10.11


Geschrieben am 09.10.11 gegen 23:00 Uhr

Regenschauer, Wind aus S bis SW, in Böen 6-7 Bft.

Start: Stellendam

Um 8:00 Uhr Andreas verabschiedet.

Nach dem Frühstück zum benachbarten Sportboothafen gefahren und Wasser gebunkert. Anschließend Fluxgate-Kompass vom Autopiloten kallibriert.

Gleich anschließend durch die Schleuse, weil diese gerade öffnete. Mein Einwand, wegen des vorhergesagten schlechten Wetters lieber auf den Binnengewässern nach Süden zu segeln, wurde vom Skipper abgetan.

Lt. Skipper die letzte Schleuse bis Panama.

Anschließend Linda (Freundin von Achim) verabschiedet, das 3. Reff ins Groß gemacht und dann um 14:00 Uhr trotz Gegenstrom und Gegenwind rausgefahren. Mein Vorschlag, erst gegen 19:00 Uhr abzulegen, weil dann der Strom wegen des auflaufenden Wassers abzulegen, wurde vom Skipper abgetan (wir müssen vorankommen). Unser erstes Ziel soll Zeebrügge sein. Unter Motor gegen Wind und Strom fahren wir max. 1,5 kn. Nach Abschalten des Motors legen wir Kompasskurs 270 Grad an. COG ist durch Abdrift aber 300 Grad und mehr. Statt in südliche Richtung, fahren wir also nach WNW. Dann geht uns in schneller Reihenfolge erst ein Karabikerhaken kaputt, der die Spannung im Unterliek im 3. Reff halten soll und dann schlagen die Wellen mit solcher Wucht gegen die Unterseite des Decks, dass Wasser durch die Ritzen der Notausstiegsklappe schlägt  und wir permanent Wasser aufwischen müssen. Das notdürftige Abdichten schlägt leider fehl, das Tape klebt nicht und wir haben auch nicht genug. Schließlich schafft das Wasser es sogar, den Verschluss der Notausstiegsluke rauszubrechen. Nun muss permanent einer auf der Luke stehen, damit das Wasser nicht die Luke aufreisst und das Boot voll läuft. Wir entscheiden uns, nach Stellendam zurück zulaufen, um entsprechende Reparaturen durchführen zu können. Vor dem Wind und mit dem Strom schaffen wir bis zu 8 kn. Gegen 20:30 Uhr liegen wir wieder fest am Steg, außen vor der Schleuse. Alle haben Hunger und Durst.

Ziel: Stellendam

Strecke: 28,1 sm

Zeit in Fahrt: 6:30 Stunden

Fazit:

Achim macht alles und jede Arbeit, Skipper redet viel und wiederholt sich ständig, keine gute Seemannschaft. Die Papier-Seekarte ist von 1996 und bis 2002 berichtigt. Das gesamte Fahrwasser ist in der Karte nicht vorhanden.Sowas nutze ich als Geschenkpapier, für die Navigation in Tidengewässern sollte die Karte nicht älter als von der Vorsaison sein.



Montag, 10.10. 2011


Geschrieben um 15:14 Uhr

Ort: Stellendam (Hafentag)

Ab ca 2:30 Uhr nachts hat es zu stürmen angefangen. Gut das wir uns gestern entschieden haben,zurück zu laufen. Anderenfalls wäre der erste Seenotrettungsfall höchstwahrscheinlich eingetreten.

Nach dem Frühstück gegen 10:00 Uhr haben wir Klarschiff gemacht. Dazu gehörte umfangreicher Abwasch und die Trockenlegung beider Rümpfe. Wir haben 50-60 Liter Wasser aus den Bilgen geholt. Da wir gestern unterwegs auch schon permanent geschöpft haben, sind durch die Notfallluke innerhalb kürzester Zeit ca. 100 Liter Wasser eingedrungen.

Die ganze Reinigungs- und Trockenlegungsaktion hat knapp 2 Stunden in Anspruch genommen.

Anschließend wurde die Notausstiegsluke inspiziert. Dabei handelt es sich um eine 60x50 cm große Luke, die im Boden zwischen den Rümpfen eingelassen ist und die Flucht aus dem Boot im Falle eines Kentern sicherstellen soll. Hier war die Verriegelung herausgerissen. Durch diese Luke haben wir dann den Abstand zum Wasser gemessen. Es sind 38 cm. Laut den Konstruktionsplänen sollen es 60 cm sein. Das Boot liegt also viel zu tief, weil es zu schwer ist. Das zwischen den Rümpfen durchgepresste Wasser hat also viel weniger Raum sich auszubreiten, so dass es mit deutlich mehr Kraft als vorgesehen, gegen die Unterseite des Bootes schlägt.

Die Luke ist durch die Verlegung eines umlaufenden Moosgummis abgedichtet und durch überlappende und im Rumpf verschraubte VA-Platten gesichert worden. Der Skipper meint, dass das jetzt hält. Wir werden sehen.



Zwischenmenschliches

Mit Achim komme ich gut klar. Er weiß auch den Skipper zu nehmen. Ich habe da so meine Probleme.

Die Sprache und das Benehmen von Thomas gehen mir auf die Nerven. Er spricht immer nur vom Fressen, Saufen und von seinen Heldentaten aus der Vergangenheit und das hier alles Scheiße ist und er auf jeden Fall weg will, zur Not unter permanenter Zuhilfenahme des Motors. Müll wirft er einfach über Bord, den Abwasch macht er mit kaltem Wasser und dann auch noch mit Seewasser. Die Vorstellung, dass das Geschirr mit dem Wasser gewaschen wird, in das soeben noch die Fäkalien aus der Toilette gegangen sind, ist nicht schön. Nach Möglichkeit versuche ich, den Abwasch daher selber zu machen. Diese Ausdrucksweise und Einstellung kann ich nicht den ganzen Tag hören und mir erst Recht nicht vorstellen, dies ein ganzes Jahr über mitzumachen.

Früher oder später muss ich diesen Punkt ansprechen. Habe noch keine Ahnung, wie Achim das sieht.



Das nächste Problem ist das Thema Seemannschaft. Thomas scheint sich nicht bewusst zu sein, dass von seinen Entscheidungen nicht nur das Boot sondern auch das Wohl seiner Mitsegler abhängt. Von Törnplanung unter Berücksichtigung der Gezeiten und der Welle kann nicht die Rede sein. Er nimmt uns in seinen Entscheidungen nicht mit, sondern macht, was er für richtig hält. Eine gemeinsame Törnbesprechung gibt es nicht. Dann kommen solche Sachen wie gestern dabei raus. Wir sind keinen Meter in die Richtung gekommen, in die wir wollten. Als Testfahrt war es aber aufschlussreich.

 Die Holepunkte fürs Vorsegel sind nicht optimal. Das Großsegel macht nicht den Eindruck, dass es lange hält. Gerefft steht es schlecht, das Tuch macht keinen stabilen Eindruck und die ehemaligen Segelnummerns hängen herunter. Teilweise gehen die Belegklemmen nicht richtig. Klampen, um die Leinen nach der Winsch zu belegen, gibt es nicht. Für das Cockpit fehlt ein GPS-Gerät. So kann man am Kartentisch zwar den Kurs ermitteln und an den draußen Steuernden durchgeben, dieser hat aber nur den normalen Kompass, der Versatz durch Strom und Wellen nicht berücksichtigt. Dies wird vermutlich dadurch behoben, das ein Laptop mit Navigationsprogramm auf dem Salontisch für den Steuermann gut sichtbar befestigt wird. Eine gute Lösung. Insgesamt haben wir 3 Laptops mit solchen Programmen zur Verfügung. Aktuellstes elektronisches Kartenmaterial ist von 2006.

Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass dem Eigentümer am Ende das Geld ausgegangen ist und an Takelage, Segeln und Beschlägen gespart werden musste.

Sonstiges:
Habe heute mal den Ort Stellendam besucht, der 2 km vom Boot entfernt liegt. Absolut tot, ähnlich wie in Gähnemark. Fast jedes 10. Haus ist „te koop“. Besuch hat sich nicht gelohnt.

Aber es gibt ein Hallenbad. Vielleicht werde ich das morgen mal aufsuchen. Auch fährt ein Bus nach Rotterdam.


Freitag, 7. Oktober 2011

Komisches Gefühl

Das alles um mich herum werde ich lange oder im Falle des Ersaufens nie wieder sehen, hören, riechen, fühlen.
Schon eigenartig; hoffentlich verpasse ich hier nichts.
Heute ist sogar meine erste Kieler Nachrichten gekommen. Die erhalte ich jetzt 2 Wochen gratis. Hatte gedacht, die würden mit dem Kurzabo 2 Wochen früher starten. Naja, so hat mein Nachbar was davon, der den Briefkasten leert.
Die Sachen sind gepackt, der Kühlschrank abgetaut, die Blumen begossen, alles aufgeräumt und ich habe mich hoffentlich von allen verabschiedet oder werde es morgen noch tun. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage lässt nichts Gutes erahnen. Andererseits wird es immer kälter und wir müssen sehen, dass wir schnell loskommen. Sonst sieht das hier wieder so aus:

Da sind die Vorstellungen vom Ziel der Reise schon besser.
Zum Ziel und zum Boot gibt es eine Seite vom Bootseigentümer und Skipper:

Montag, 3. Oktober 2011

Der Start rückt näher

Am nächsten Wochenende will ich nach Holland aufbrechen, sofern alles nach Plan verläuft. Mal sehen, wann mich Big Old Germany wieder hat.
Noch stecke ich mitten in den Vorbereitungen und immer wieder fällt mir was Neues ein, was noch erledigt werden muss. Irgenwas vergisst man ohnehin immer in der Vorbereitung - hoffentlich nichts wichtiges.
Nach einem wirklich tollen Verabschiedung meiner jetzt Ex-Kollegen beginnt nun ein neuer Abschnitt. Leider konnte ich mich nicht von meiner ganz besonderen Freundin Angelika H. verabschieden, die mich immer liebevoll mit gesundem Obst versorgt hat. Jetzt werde ich wohl an Skorbut eingehen.

Fast jeder hat mir geraten, dieses Vorhaben anzugehen, Ich bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird und wann mir der Anblick von Wasser über ist.

Gestern habe ich im Fernsehen einen Bericht über Monsterwellen, sogenannten Kawendzmännern, gesehen. Diese Wasserwände reißen ganze Ozeanriesen in die Tiefe und zerbrechen  stabile Stahlschiffe. Danach sollte man sich überhaupt nicht auf oder in der Nähe von Meeren oder großen Seen aufhalten.
Mein Resümee: Alles Schicksal.